ThunderStorm ist da (Renault ZOE Q90 Intens 41 kWh)

Liebe Leserinnen und Leser,

so schnell vergehen also 3 Monate.
Ursprünglich war der Liefertermin für meinen neuen Renault ZOE Q90 (das ist die Version mit 43 kW Lader, die es zB. in Frankreich oder Österreich gibt – nicht jedoch in Deutschland, wo ausschließlich das 22 kW fähige Modell R90 verkauft wird) Ende Januar 2017.
Zwischenzeitlich war dann sogar von KW 10 bzw. Februar die Rede.

Und nun sollte es doch schneller gehen.

Seit letzter Woche – genauer gesagt seit Mittwoch – bin ich Eigentümer und Besitzer des bereits zweiten ZOE in meinem Leben.

Info: TL:DR -> Winter: 180-210 km Reichweite, Sommer: 260 – 290 km sein.

Mut zur Farbe

Mein erster ZOE, ein Q210 Intens, aus dem Jahre 2013 bzw. Anfang 2014, war in perlmutt weiß lackiert. Nun dachte ich mir: Zwei mal schwarz, einmal weiß und einmal silber – na jetzt wirds aber Zeit für ein bisschen Farbe.

Und es hat sich ausgezahlt. Die “thunder blue” genannte Metallic-Lackierung gab es zwar schon gen Ende des Modellzyklus der “alten Modelle”, doch nun ist das Renault Logo (Rhombus) vorne stets in chrom gehalten – und nicht mehr im charakteristischen Z.E blau, da dieses oft mit der Zeit abzusplittern begann.

So vertraut und doch ist irgendwie einiges anders.

Augenscheinlich hat sich bis aufs neue Interieur (Intens), das nun in schwarz gehalten ist, nicht viel getan. Blaue Akzente, dank des optional bestellbaren Interieurpaket blau (sonst sind es verchromte Zierleisten und weiße Nähte an den Sitzen, statt blaue) passen sehr gut zum schwarz gehaltenen Intens Innenraum

Das kanns doch noch nicht gewesen sein?

Renault hat im Detail und bei den Funktionen einiges nachgelegt – vieles wurde auch schon oft von den Besitzern bzw. der Community angeprangert.

Für jeden Winter unverzichtbar: Die Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer.
Bei Intens optional, bei Bose serienmäßig.
Zwar ist die Bedienung etwas umständlicher, da die Rädchen links und rechts vom Mitteltunnel angebracht sind (man merkt, dass Renault schlicht keinen Platz hatte und womöglich anfangs keine Sitzheizung geplant hatte), geht jedoch auch blind relativ einfach – und bereits Stufe 1 reicht finde ich vollkommen aus. Beheizt werden das Gesäß und der untere Teil des Rückens (ist absolut in Ordnung gelöst!).

Man entdeckt dass das Rlink nun multitouchfähig geworden ist.
Renault hat zwar die Software nicht abgeändert – auch auf der TomTom Navigationskarte sind noch immer standardmäßig Verbrennertankstellen als POIs aktiviert.
Das Ganze nennt sich nun Rlink Evolution. Zumindest bei der Ausstattungsvariante Intens, die die mittlere Ausstattungsvariante zwischen Life und Bose bildet (Zen gibt es nicht mehr), ist 3D Sound by Arkamys wieder mit dabei.

Die Außenspiegel sind nun elektrisch anklappbar (manuell) und an den Türinnenseiten befinden sich jetzt mit Stoff (Intens) bzw. Leder (Bose) versehene Armauflagen. Sehr gut.
Weich ist zwar was anderes aber das billig anmutende Hartplastik wird so deutlich entschärft.

Den Handbremshebel mit Ledergriff gibt es wie die Ledersitze, das Bose Soundsystem, die manuelle Lordosenstütze und den aus der Austattungslinie Zen bekannten Ionisator, nur bei der Ausstattung Bose.

Und für ganz Genaue: schärfere Gräte, wie man sie früher über dem Handschuhfach gefunden hat, sind passé – da hat Renault nun auch nachgebessert.

Rückfahrkamera und Auflösungen der Displays im Innenraum sind jedoch unverändert geblieben.

Auf und zu, auf und zu … dahinter ist, man glaubt es kaum, der Motorraum…

Verbaut wird beim Q90 – wie man schon erahnen kann – der aus dem Q210/R210 bekannte Elektromotor von Continental. Dieser hat eine maximale Ladeleistung von 63A (3-phasig) was 43 kW entspricht (Typ 2). Die 90 in der Typenbezeichnung bezieht sich auf die Motorleistung.

Auch die Anordnung der Komponenten – wie man es eben bisher kannte – ist gleich geblieben (augenscheinlich).

Was sofort nach dem Start des ZOE auffällt, ist, dass die Wärmepumpe wieder orkanartige Stärken erreicht, was den Geräuschpegel angeht. Hingegen ist das Geräusch des Antriebes – auch während der Fahrt – kaum wahrzunehmen. Das oft gehörte Surren, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten, ist nicht mehr. Mir wäre bis jetzt kaum ein Geräusch diesbezüglich aufgefallen.

Es werde Licht … und tatsächlich: DAS ist LICHT!

Ich dachte ich bin im falschen Film als ich das erste Mal bei Nacht fuhr.
Wer den ZOE kennt, weiß, dass jede Kerze eine bessere Ausleuchtung und Lichtstärke auf den Asphalt bringen konnte. Und genau hier hat Renault endlich nachgebessert – und bewirbt das nicht mal – oh ah ja stimmt… wieso etwas bewerben, das eigentlich selbstverständlich sein sollte…

Und ja bevor jemand glaubt, dass ich bluffe: Das ist das originale Licht des ZOE. Ab Werk!

Apropos Licht…

Scheint die Sonne direkt aufs Armaturenbrett, sieht man auch die bereits aus der Vergangenheit bekannten Spiegelungen – nervig, aber nicht mehr so schlimm wie zu Zeiten des beigen Armaturenbretts.

War da nicht noch auch was mit der Reichweite?

Achja stimmt – der Hauptgrund meiner Anschaffung: Die neu gewonnene, größere Reichweite!

41 kWh sind die nutzbare Kapazität, wenn die Temperaturen stimmen. Im Hochwinter waren es allem Anschein nach nur knapp 38 kWh.
In Tagen wie diesen, wo die Nächte oft glasklar sind und Temperaturen von über -10 Grad Celsius mehr die Regel, als die Ausnahme bilden, sind die Zellen der neuen Z.E. 40 Batterie nach einigen Stunden bzw. über Nacht ebenso ausgekühlt.

Dies hat zwei Nachteile zur Folge:

1. Ladungen dauern deutlich länger, bis die Temperatur der Zellen auf ein für die Batterie optimaleres Niveau hinauf geht

2. es wird weniger Energie in den Zellen gespeichert, als dies bei warmen Zellen möglich wäre
Auch dieser Umstand wird entschärft, wenn die Zellen wärmer werden

Renault hat auch hier reagiert und spendierte der neuen Z.E. 40 Batterie des Renault ZOE “eine Einrichtung zur Vorwärmung unter kalten Witterungsbedingungen. Diese Funktion erwärmt die Batterie des Renault ZOE und kann sie bei Bedarf auch abkühlen. Das System sorgt beim Fahren automatisch für eine optimale Batterietemperatur.”.

Hierbei handelt es sich aber um kein Thermalmanagement der Batterie, das mit einer Flüssigkeit arbeitet – wie z.B. bei Tesla – sondern um ein 14V PTC Heizelement, das Luft erwärmt und über eigene “Kanäle” durch die Zellenblöcke der Batterie bläst.
Bezeichnet werden kann es also ohne Weiteres eher als eine “unterstützende” Maßnahme beim Laden um die Temperatur zu erhöhen oder ein schnelleres Auskühlen beim Laden, zB. über Nacht, zu verhindern.

Selbst eine 60 km Autobahnstrecke (Tempomat 105 km/h) haben nicht viel gebracht.
Fairerweise muss man sagen, dass der ZOE da bereits 2 Tage bei -10 Grad im Freien stand.

Dennoch ist es wirklich schade, denn dies können andere Fahrzeuge (Hyundai IONIQ, BMW i3) deutlich besser.

Reichweite – Jetzt aber wirklich!

Vollgeladen ging es gleich auf meine Haus-und-Hof Strecke vom schönen Velden am Wörthersee bis nach Graz. Der Weg führt ausschließlich über die Autobahn A2 und die im Winter manchmal nicht zu unterschätzende Pack, wo es einige Kilometer steil bergauf geht.

Die ersten 40 km bin ich mit 105 km/h Tempomat – im normalen Modus – mit Heizung auf 20 Grad AUTO gestellt – gefahren.

Schreck lass nach:

Nach 77 km waren bereits gut 50% der Kapazität aufgebraucht. KATASTROPHE!

Also schnell runter auf 96 km/h ECO Modus an – was den Heizungsverbrauch deutlich senkte
(die Wärmepumpe wird bei niedrigen Temperaturen durch ein eigenes PTC Heizelement unterstützt).

So ging es auch die gesamte Strecke entlang. Und so sieht sie aus:

Die Zellen dürften einen temperaturtechnisch kritischen Punkt überschritten haben, der Verbrauch ging zurück.
Insgesamt wurden ca. 33 kWh verbraucht – inklusive Heizung.

Fazit

Der neue Renault ZOE ist keine Revolution, wie sein Vorfahre, doch ein evolutionärer Prozess war hier definitiv am Werke. Die Qualität der Verarbeitung wurde verbessert und ebenso ist das Interieur wohnlicher geworden. Bewährte Ladetechnik trifft weiterhin spritzigen E-Antrieb – zumindest wenn man auf der Autobahn keine Rennen fahren will.
Die Sommerreichweite wird sich noch beweisen müssen, aber von gut 280-300 ehrlichen Kilometern möchte ich guten Gewissens ausgehen.
Im Winter sind es zwischen 180 und 230 km. Auf meiner Teststrecke – wohlgemerkt mit kalten Zellen und kaltem Innenraum – wären es ehrliche 190 km gewesen (insgesamt fahrbar).

Was sauer aufstößt, ist, dass Renault keine wirkliche Batterieheizung verbaut hat, was die maximal nutzbare Kapazität beim Kaltstart im Winter beeinträchtigen kann und vor allem auch die Ladezeit (bis die Zellen warmgefahren sind) in die Höhe treibt.
Auch ist es schade, dass man nicht ein wenig mehr Antriebsleistung zur Verfügung gestellt bekommt. Jetzt, wo der ZOE definitiv zu den Marathonläufern unter den leistbaren Fahrzeugen, die nicht Tesla heißen, gehört, wäre ein wenig mehr Power nicht schlecht.

Schade ist, dass der ZOE auch so gut wie keine modernen Assistenzsysteme bietet – aber es ist ja auch noch immer ein Kleinwagen und keine Reiselimousine für den Vertreter von heute.

Optisch bzw. um des Designs Willen hat sich auch am suboptimalen cW (Luftwiderstandsbeiwert) nichts getan – dieser steht unverändert bei hohen 0,329.
Dies wirkt sich eben auch stark auf der Autobahn aus, wo im Winter Verbräuche über 20 kWh / 100 km leider keine Seltenheit sind. Hier zeigt Hyundai mit dem IONIQ wo die Reise hingehen könnte. Dieser kommt mit seiner 28 kWh Batterie im Winter ähnlich weit, wie der neue ZOE.
Im Sommer wird dieser mögliche Gleichstand jedoch durch die deutlich größere Kapazität der ZOE Batterie definitiv gebrochen werden.

Trotzdem!
Der neue ZOE profitiert von vielen Verbesserungen – vor allem die große Reichweite, das bessere Licht ab Werk und er setzt auf bewährte Ladetechnik, die gleichzeitig maximale Flexibilität bedeutet.

Mein treuer Leaf – jetzt gefahren durch die Mutter (es wurde ein alter Golf Stinker ersetzt!) – war für meine Anforderungen mittlerweile leider unbrauchbar geworden.

Geladen wird mein ZOE übrigens an der CEE-Steckdose. Stationäre Ladestationen, mobile Ladestationen und Zubehör für Elektrofahrzeuge finden Sie unter (https://www.charge-shop.com).

Ich freue mich über eure Meinungen und Fragen – gerne auch per Email an stefan.kopeinig@cag-solutions.com

Hier noch ein paar Eindrücke:

Titanium Grau

Ihr Stefan KOPEINIG
Geschäftsführer Charge and Go Solutions